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Permafrost
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top
Permafrost bezeichnet in den Geowissenschaften einen Untergrund, dessen Temperatur fĂŒr mindestens zwei Jahre ununterbrochen (perennierend) unter 0 °C bzw. dem lokalen Gefrierpunkt liegt. Bei dem Untergrund kann es sich um Boden, Lockergestein oder Festgestein handeln. Permafrost tritt abhĂ€ngig von den klimatischen Bedingungen mit unterschiedlicher MĂ€chtigkeit und Tiefe auf; er kann mehrere hundert Meter tief reichen und besitzt dann meist ein Alter von vielen tausend Jahren. Die gröĂte Ausdehnung hat Permafrost unter den Eisschilden und in den KĂ€ltewĂŒsten der beiden Polargebiete sowie in den angrenzenden hochkontinentalen Klimaten der (nördlichen) borealen Zone. Dort kann der Boden ĂŒber dem Permafrost im Sommer auftauen (siehe Auftauboden).cite-ref-1[1] Weitere groĂflĂ€chige Bereiche befinden sich in der Massenerhebung Hochasiens.
Der Permafrostboden (auch Dauerfrostboden)cite-ref-2[2] ist eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken der Erde. Das groĂrĂ€umige Auftauen von Permafrost im Rahmen der globalen ErwĂ€rmung gilt als eines der bedeutendsten Kippelemente im Klimawandel.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Contents
âą Wortherkunft
⹠PleistozÀn-Park
âą Sonstiges
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Wortherkunft
Der Ausdruck Permafrost im Sinne von âpermanenter Frostâ geht zurĂŒck auf den in Russland geborenen US-amerikanischen Geologen und PalĂ€ontologen Siemon Muller (1900â1970),cite-ref-5[5] der damit den im Russischen fĂŒr dauergefrorenen Boden der Tundra verwendeten Ausdruck ĐČĐ”ŃĐœĐ°Ń ĐŒĐ”ŃĐ·Đ»ĐŸŃа (âewiger Frostâ) ĂŒbersetzte, als er 1943cite-ref-6[6] wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges dem US-MilitĂ€r diente. Seine 1947 erschienene Abhandlung Permafrost or Permanently Frozen Ground and Related Engineering Problems (231 Seiten) war das erste englischsprachige Buch zum Thema auf dem Markt; ein aktualisiertes und ĂŒberarbeitetes Manuskript wurde erst 2008 veröffentlicht.cite-ref-7[7] Obgleich die Beschreibung perennial (âganzjĂ€hrigâ) anstelle von permanent (âfortdauerndâ) anfangs mehr Anklang gefunden hatte,cite-ref-8[8] etablierte sich im Folgenden Permafrost als Begriffsbenennung.cite-ref-9[9]
Geschichte der Permafrostforschung
Erste Forschungsarbeiten
Im Jahr 1843 hat Karl Ernst von Baer unter dem Titel Materialien zur Kenntnis des unvergĂ€nglichen Boden-Eises in Sibirien die weltweit erste Dauerfrostbodenkunde verfasst. Schon 1842/43 lag ein druckfertiges Typoskript mit 218 Seiten und einer Permafrostkarte Eurasiens vor. Die Arbeit blieb jedoch rund 150 Jahre lang verschollen. Die Entdeckung und kommentierte Veröffentlichung des 1843 fertiggestellten Typoskripts im Jahr 2001 war eine wissenschaftliche Sensation. Das Werk bietet eine faszinierende LektĂŒre, denn sowohl Baers Beobachtungen zur Permafrostverbreitung als auch seine periglazialmorphologischen Beschreibungen stimmen weitgehend noch heute.cite-ref-11[11] Eine zentrale Person der Permafrostforschung war Michail Sumgin, der ab 1911 die Geokryologie in der Sowjetunion begrĂŒndete.
Polarer Permafrost
Die Permafrostforschung gewann nach dem Zweiten Weltkrieg als Folge des Kalten Krieges stark an Bedeutung. Entlang der NordkĂŒste von Alaska und durch den kanadischen Archipel hindurch bis nach Grönland wurde in den 1950er Jahren eine Kette von mehr als 30 Radarstationen auf Permafrost gebaut, die Distant Early Warning Line. Die dazu notwendige Grundlagenforschung wurde vom Cold Regions Research and Engineering Laboratory (CRREL) des United States Army Corps of Engineers koordiniert und finanziert. Dadurch standen der Permafrostforschung groĂe finanzielle und logistische Ressourcen zur VerfĂŒgung. In der Sowjetunion ĂŒbernahm die Akademie der Wissenschaften der UdSSR diese Forschungsaufgaben.
GroĂes wissenschaftliches Interesse erregten seit den 1950er Jahren die Pionierarbeiten von J. Ross Mackay (1915â2014) ĂŒber Pingos und Eiskeile im Delta des Mackenzie River. Er betrieb seine innovativen Projekte rund 50 Jahre lang. Der Untersuchungsraum ist zudem ein Gebiet mit einem groĂen Potential fĂŒr Erdöl und Erdgas, was auch die angewandte Forschung begĂŒnstigte.
GroĂe Wissensfortschritte ĂŒber polaren Permafrost brachten Arbeiten vor dem Bau der Trans-Alaska-Pipeline von Prudhoe Bay nach Valdez 1974 bis 1977. Wegen des Permafrostbodens musste fast die HĂ€lfte der 1287 km langen Pipeline auf Stelzen gebaut werden. Das Alaskaöl hat einen hohen Wachsgehalt und muss deshalb bei 70 bis 80 Grad Celsius transportiert werden. Ăber 10.000 PipelinestĂŒtzen stehen in Löchern, die in den Permafrostboden gebohrt wurden. Auswertungen der Bohrprotokolle brachten Erkenntnisse, die auch zum Bau der die Pipeline begleitenden anderen Bauwerke (StraĂen, Pumpstationen, BrĂŒcken) im Permafrost notwendig waren. Ein Forschungszentrum fĂŒr Permafrost befindet sich noch heute an der University of Alaska Fairbanks (UAF). In der Stadt Fairbanks sind hĂ€ufig BaumaĂnahmen zu sehen, die auf den unter der Stadt vorkommenden Dauerfrostboden hinweisen (GebĂ€ude auf StĂŒtzen, WĂ€rmepumpen).
Ein viel beachtetes Projekt wurde 1959 von Fritz MĂŒller auf Axel Heiberg Island in der extremen kanadischen Arktis begonnen. Die 1959 errichtete Forschungsstation (McGill Arctic Research Stationcite-ref-12[12] wird auch heute noch betrieben.cite-ref-13[13] Sie ermöglichte zahlreiche Pionierarbeiten, so eine bedeutende glaziologische Massenbilanzreihe an einem arktischen Gletscher (White Glacier) und die langjĂ€hrige Vermessung einer aktiven arktischen StauchmorĂ€ne am vorstoĂenden Thompson Glacier. Die Arbeiten wurden an der McGill University begonnen und von Fritz MĂŒller (1926â1980) an der ETH ZĂŒrich weitergefĂŒhrt. Sie gaben Anlass zu Folgearbeiten auf Ellesmere Island und Ward Hunt Island durch Wissenschaftler der UniversitĂ€t Heidelberg, spĂ€ter an der JLU GieĂen. Wissenschaftler erforschten in den Jahren 1975 bis 1990 auf teils langen Expeditionen einige bis dahin unerforschte Permafrostgebiete der kanadischen Arktis.cite-ref-14[14]
Alpiner Permafrost (Gebirgspermafrost)
Der Begriff alpiner Permafrost wird in der wissenschaftlichen Literatur fĂŒr Permafrost in allen Gebirgen der Erde verwendet, in welchen die klimatischen Bedingungen die Entstehung und den Erhalt von Permafrost ermöglichen. Alpiner Permafrost gibt es somit in Skandinavien,cite-ref-lk-skand-15-0[15] in Nord- und SĂŒdamerika, im Kaukasus, im Tien Shan und vielen andern Gebirgen der Erde.
In Europa haben die AlpenlĂ€nder durch die in GebirgsrĂ€umen lebensnotwendige Katastrophenvorsorge langjĂ€hrige Erfahrung mit Gefahren durch Permafrost und Schnee. Das Interesse an periglazialen Prozessen und deren Beziehung zum Permafrost fĂŒhrte insbesondere in der Schweiz, in Frankreich und Ăsterreich schon seit den 1970er-Jahren zu Bewegungsmessungen an Blockgletschern, die definitionsgemÀà Objekte im alpinen Permafrost sind. An der UniversitĂ€t Basel beobachtete beispielsweise der Geomorphologe Dietrich Barsch die Bewegung von Blockgletschern im Engadin. Sein SchĂŒler Wilfried Haeberli fĂŒhrte an der UniversitĂ€t ZĂŒrich die Untersuchungen fort und erarbeitete allgemein gĂŒltige GesetzmĂ€Ăigkeiten fĂŒr das Vorkommens von alpinem Dauerfrostboden. In ZĂŒrich widmete sich auch der Geomorphologe Gerhard Furrer der Beziehung zwischen Permafrost und Solifluktion in den Schweizer Alpen und auf Spitzbergen. Die vielseitigen Ergebnisse der Schweizer Forschung ĂŒberzeugten die IPA, die Internationale Permafrostkonferenz (ICOP) im Jahr 2003 an der ETH-ZĂŒrich stattfinden zu lassen. Ăber 200 Teilnehmer aus 24 LĂ€ndern nahmen daran teil, ebenso an den Exkursionen zu den untersuchten Forschungsobjekten im Alpenraum. An der Konferenz stieĂen geotechnische Fragen bei Bauwerken und deren StabilitĂ€t bei Rutschungen durch schmelzenden Permafrost auf groĂes Interesse. Sarah Springman konnte die von ihr geleiteten Bohr- und Ăberwachungskampagnen auf Blockgletschern vorstellen. Das WSL-Institut fĂŒr Schnee- und Lawinenforschung SLF nimmt ebenfalls eine FĂŒhrungsrolle ein und widmet sich mit seiner âForschungseinheit Schnee und Permafrostâ seit vielen Jahren Sicherheitsfragen bei Folgen der globalen KlimaerwĂ€rmung. Seit dem Jahr 2000 dokumentiert das Permafrost Monitoring Network Switzerland (Permos) den Zustand und die VerĂ€nderung des Permafrosts in den Schweizer Alpen.cite-ref-16[16]
Permafrostforschung im alpinen Raum ist heute ein Standardthema an vielen Instituten fĂŒr Geographie, so in Deutschland z. B. an der TU MĂŒnchen mit einem Lehrstuhl fĂŒr Hangbewegungen, in der Schweiz an der UniversitĂ© de Fribourg, in Ăsterreich an der UniversitĂ€t Graz und der UniversitĂ€t Wien. In der Lehre wie der Forschung sind BergstĂŒrze Musterbeispiele fĂŒr mögliche katastrophale Folgen der KlimaerwĂ€rmung in Permafrostgebieten. Durch den auftauenden Gebirgspermafrost entstehen erhebliche Gefahren, denn auch im Fels können feine GesteinsklĂŒfte Eis enthalten, dessen Auftauen zu BergstĂŒrzen in steilen FelswĂ€nden fĂŒhren kann. Sehr genau untersucht wurden der Bergsturz von Randa VS 1991, und der Bergsturz von Bondo mit mehreren Ereignissen im Jahr 2017.
Internationale Fachkonferenzen
Die International Conferences On Permafrost (ICOP) dienen seit 1963 dem globalen wissenschaftlichen Austausch zwischen Permafrostforschern. Die Initiative dazu ging Anfang der 60er-Jahre von US-amerikanischen, kanadischen und sowjetischen Wissenschaftlern aus, mit dem Vorsatz, diese Tagungen alle fĂŒnf Jahre stattfinden zu lassen. Das groĂe Interesse und die jeweils umfangreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Konferenzen fĂŒhrten 1983 an der 4. ICOP in Fairbanks (Alaska) die ĂŒber 850 Teilnehmer dazu, die International Permafrost Association (IPA) zu grĂŒnden.cite-ref-17[17] In ihr sind derzeit 27 LĂ€nder vertreten, in denen intensiv ĂŒber Permafrost geforscht wird. Infolge der recht groĂen Zahl an Forschern im alpinen Permafrost und deren beachtenswerten Forschungsergebnissen gehörten schon 1983 auch die AlpenlĂ€nder Schweiz, Frankreich, Deutschland und Italien zu den 24 GrĂŒndungsmitgliedern der IPA.
Die IPA berichtet in Jahresberichten aus allen MitgliedslĂ€ndern ĂŒber ihre weltweiten AktivitĂ€ten. Ebenso lĂ€dt sie zu nationalen und internationalen ZusammenkĂŒnften ein. Die ICOP-Fachkonferenzen fanden bis 2008 jeweils im Abstand von fĂŒnf Jahren statt. Ab 2006 wechseln sich meist alle zwei Jahre eine internationale und eine regionale Konferenz ab.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Verbreitung und Typen
Permafrost bildet sich zumeist dort, wo die Jahresdurchschnittstemperatur der Luft â2 bis â1 °C und der Jahresniederschlag 1000 Millimeter nicht ĂŒbersteigen. Die groĂen Permafrostareale der Erde liegen daher in den Polargebieten mit den arktischen und antarktischen Tundren, in Teilen der borealen Nadelwaldgebiete, aber auch in anderen Gebieten, welche die Voraussetzungen fĂŒr Permafrost erfĂŒllen, so die meisten Hochgebirge der Erde. Als Permafrostzone bezeichnet man das zirkumpolare Gebiet ewiger Gefrornis, das die Tundra der Nordkontinente, die groĂen Waldgebiete sowie Offshore-Zonen des Meeresbodens umfasst.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] Grönland liegt zu 99 %, Alaska zu 80 %, Russland zu 65 %, Kanada zu 40 bis 50 % und China bis zu 20 % in der Permafrost-Zone.cite-ref-23[23] Nach SĂŒden reichen einige Permafrostgebiete bis in die Mongolei. Dabei bedeutet eine Lage innerhalb der Permafrost-Zone nicht automatisch eine Unterlagerung mit Permafrost fĂŒr jeden individuellen Standort, sondern man unterscheidet â in Korrelation mit der Jahresdurchschnittstemperatur â Zonen kontinuierlichen (>90 FlĂ€chenprozent, unter â7 °C), diskontinuierlichen (>50â90 FlĂ€chenprozent, â3 bis â7 °C), sporadischen (>10â50 FlĂ€chenprozent, â1 und â3 °C) und isolierten (<10 FlĂ€chenprozent) Permafrosts (vermutlich Eiszeitrelikte in Regionen bis 0 °C).cite-ref-24[24]
Auch dringt der Permafrost unterschiedlich tief in den Untergrund ein: In Sibirien werden Tiefen bis zu 1500 Metern erreicht, in den zentralen Teilen Skandinaviens oft nur etwa 20 Meter. GrĂŒnde dafĂŒr liegen in der groĂen Kontinentalvergletscherung der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit): Sibirien hingegen war nicht in gröĂerem MaĂe vergletschert, daher war der Untergrund der Kaltluft ausgesetzt, so dass er bis in sehr tiefe Lagen gefrieren konnte. Hingegen war der Kernbereich Skandinaviens durch einen mĂ€chtigen Eisschild isoliert, wodurch der Permafrost nicht so tief eindringen konnte.
Permafrostareale gibt es auch in Hochgebirgsregionen, wie beispielsweise den Alpen oder den skandinavischen Hochgebirgen.cite-ref-lk-skand-15-1[15] In den höher gelegenen Permafrostgebieten dieser Gebirge entsprechen die heutigen Klimabedingungen der aktuellen Permafrostverbreitung. In einem Gebiet mit mittleren jĂ€hrlichen Lufttemperaturen von â3,5 °C kann erwartet werden, dass in rund 50 % der FlĂ€che Permafrost auftritt, oft mit einer MĂ€chtigkeit von 200 bis 300 Meter.cite-ref-lk-skand-15-2[15] Diese Beziehung zwischen der mittleren jĂ€hrlichen Lufttemperatur und dem Auftreten von Permafrost ist auch weitgehend beim polaren Permafrost zu finden. Nur in sehr geringem Umfang findet rezente Permafrostneubildung statt, zum Beispiel durch das ZurĂŒckschmelzen eines isolierend wirkenden Gletschers, wodurch der freigelegte Boden der Kaltluft ausgesetzt ist und sich hier Permafrost neu bilden kann, sofern die Voraussetzungen dafĂŒr erfĂŒllt sind. Andererseits bewirkt ein Anstieg der mittleren Lufttemperatur ein Auftauen von Permafrost in den Alpen. Beispielsweise wurde 2015 dadurch die Wasserfassung (fĂŒr Trinkwasser und Wasserkraft) der RichterhĂŒtte auf 2.374 m Höhe in den Zillertaler Alpen zerstört.cite-ref-25[25] Auch das Sonnblick-Observatorium ist auf lange Sicht gefĂ€hrdet.
In der Arktis gibt es sogar submarinen Permafrost, also Permafrost am Meeresgrund.cite-ref-2-28-0[28] Durch die eustatische Meeresspiegelabsenkung lagen wĂ€hrend der letzten Eiszeit viele KontinentalschelfflĂ€chen ĂŒber dem Meeresspiegel, wodurch sich auf diesen LandflĂ€chen Permafrost bis in mehrere 100 Meter Tiefe bilden konnte.cite-ref-29[29] Meerwasser, das den Schelf in der Nacheiszeit wieder ĂŒberflutete, war zu kalt, um den nun submarinen Permafrost wieder auftauen zu können. Submariner Permafrost kann sich auch bilden, wenn in sehr flachen GewĂ€ssern Meereis auf dem Meeresboden aufliegt und die Sedimente darunter gefrieren.cite-ref-kutzbach2015-26-1[26] Die bekanntesten submarinen Permafrostvorkommen liegen in der Laptewsee im Nordpolarmeer vor den KĂŒsten Sibiriens.
Permafrost kann im Sommer oberflĂ€chlich auftauen; der Auftauboden (in der Fachliteratur als active layer bezeichnet) umfasst meist wenige Dezimeter und selten mehr als 2 Meter, darunter bleibt der Untergrund gefroren. Im Auftauboden finden zahlreiche periglaziale Prozesse statt. Die auĂerhalb der Periglazialgebiete im Winter gefrorene, obere Bodenschicht bezeichnet man Winterfrostboden.
Gliederung des Permafrosts
Geographische Verbreitung
1. Zone oder Höhenstufe des kontinuierlichen Permafrosts (90 bis 100 % des Untergrunds einer Region sind gefroren)
2. Zone oder Höhenstufe des diskontinuierlichen Permafrosts (mehr als 50 % des Untergrunds einer Region sind gefroren)
3. Zone oder Höhenstufe des sporadischen Permafrosts (gefrorener Untergrund tritt lĂŒckenhaft auf, weniger als 50 %)
Querschnitt durch Permafrost (von oben nach unten)
1. sommerlicher Auftauboden (active layer), der bei höheren Temperaturen aufgetaut ist (MÀchtigkeit: wenige Zentimeter bis etwa drei Meter) und im nachfolgenden Winter wiederum gefriert.
2. eigentlicher Dauerfrostboden
PalÀontologische Bedeutung
In einigen Permafrostgebieten Sibiriens wurde die voreiszeitliche Fauna und Flora vorzĂŒglich konserviert. Da das aufgefundene biologische Material bis heute tiefgefroren war, sind auch DNA-Analysen der Funde möglich, was bei Fossilien sonst nicht möglich ist. So wurde 1997 ein sehr gut erhaltenes Wollhaarmammut (das Jarkow-Mammut) auf der Taimyr-Halbinsel in Nordsibirien von dem Dolganen Gennadij Jarkow gefunden und danach umfassend untersucht.
Auch eine Leinkrautart Silene stenophylla blieb im sibirischen Permafrost ĂŒber 30.000 Jahre konserviert. 2012 gelang es Forschern der Russischen Akademie der Wissenschaften, Pflanzen aus diesen gefrorenen Resten heranzuziehen.cite-ref-33[33] Viren, wie das 30.000 Jahre alte Mollivirus sibericum, wurden ebenfalls im Permafrost gefundencite-ref-34[34], auĂerdem Nematoden, die seit dem PleistozĂ€n vor etwa 42.000 Jahren im Permafrost konserviert waren. Obwohl sie seit Zehntausenden von Jahren eingefroren waren, wurden zwei Arten dieser WĂŒrmer erfolgreich wiederbelebt.cite-ref-35[35]
Kohlenstoffspeicher
In den Permafrostgebieten der Arktis, Antarktis und der Hochgebirge sind zwischen 1.300 und 1.600 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert, etwa doppelt so viel wie in der gesamten ErdatmosphÀre (etwa 800 Gigatonnen): Beim durch den Klimawandel beschleunigten Auftauen des Permafrosts wird dieser als Treibhausgas Kohlenstoffdioxid freigesetzt.cite-ref-3-36-0[36] Das Auftauen von Permafrost gilt als eines der bedeutendsten Kippelemente der globalen ErwÀrmung.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38] Die Untersuchung decite-ref-3-36-1[36]r Kohlenstoff-Dynamik in permafrostbeeinflusstem Untergrund und die AbschÀtzung der dort lagernden Kohlenstoffmengen sind Gegenstand aktueller Forschung.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
RĂŒckgang von Permafrost
Siehe auch
:
Folgen der globalen ErwÀrmung
Im Zuge der globalen ErwĂ€rmung erwĂ€rmt sich nahezu weltweit der Permafrost. In den letzten Jahrzehnten wurde dadurch eine NordwĂ€rtswanderung der Permafrostgrenze in Nordamerika,cite-ref-41[41] Eurasiencite-ref-42[42] sowie der Arktis beobachtet. Einer Studie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zufolge ist die Permafrosttemperatur zwischen 2007 und 2016 global um 0,3 Grad Celsius angestiegen. Der gröĂte Anstieg wurde dabei in Sibirien beobachtet, wo die Temperatur teilweise um bis zu einem Grad Celsius anstieg. Neben höheren Lufttemperaturen ist in der diskontinuierlichen Permafrostzone auch eine dickere Schneedecke ursĂ€chlich, wodurch der Untergrund im Winter weniger stark auskĂŒhlt.cite-ref-43[43] Im Garwood Valley an der KĂŒste des ostantarktischen Viktorialandes hat sich zwischen 2001 und 2012 die Thermokarstentwicklung stark beschleunigt. Ursache ist wahrscheinlich eine intensivere Sonneneinstrahlung infolge verĂ€nderter WetterverhĂ€ltnisse. Die dĂŒnne Sedimentschicht ĂŒber dem Permafrost hat dessen Auftauen noch beschleunigt. Es wird befĂŒrchtet, dass eine ErwĂ€rmung der Region zu einem raschen Auftauen gröĂerer Permafrostgebiete fĂŒhren könnte.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45] Einer im Jahr 2022 veröffentlichten Studie zufolge wird der Permafrost in Fennoskandinavien und Westsibirien in den nĂ€chsten paar Jahrzehnten zum gröĂten Teil verschwunden sein.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47]cite-ref-48[48]
Farquharson et al. veröffentlichten 2019 einen wissenschaftlichen Artikel ĂŒber die VerĂ€nderungen des Permafrosts (durch Thermokarst) an drei Messstationen in der kanadischen Hocharktis zwischen 2003 und 2017.cite-ref-0-49-0[49] Den Autoren zufolge taute der Boden in einigen Regionen Kanadas im Untersuchungszeitraum oft so stark auf, wie es bei einer moderaten Entwicklung (gemÀà dem IPCC RCP 4.5-Szenario; siehe auch reprĂ€sentativer Konzentrationspfad) eigentlich erst fĂŒr das Jahr 2090 bei einer globalen ErwĂ€rmung um etwa 1,1 bis 2,6 °C erwartet worden war.cite-ref-0-49-1[49]cite-ref-rcp45-50-0[50] Daraus folgend ist beispielsweise der Untergrund an der âMold Bayâ-Wetterstation auf der Prince Patrick Island im untersuchten Zeitraum um rund 90 Zentimeter abgesackt. Der Grund fĂŒr diese Entwicklung scheint das Antauen des Dauerfrostbodens zu sein; die Permafrosttafel verschiebt sich durch die gehĂ€uft auftretenden ĂŒberdurchschnittlich warmen Sommer zu immer gröĂeren Tiefen, da der sommerliche Auftauboden eine begrenzte WĂ€rmepufferkapazitĂ€t aufweist und so den Dauerfrostboden schlecht gegenĂŒber steigenden Temperaturen isoliert.cite-ref-0-49-2[49]
Aufgrund der Temperaturerhöhung in der Arktis kann die Gefahr von WaldbrĂ€nden zunehmen. Wird der Torfboden der Arktis durch die ErwĂ€rmung trockener, gerĂ€t er leichter in Brand und setzt wiederum Treibhausgase in die AtmosphĂ€re frei.cite-ref-malberger-2019-07-19-51-0[51] Aus BrĂ€nden resultierender Rauch und RuĂ bedeckt Wasser- und Schneegebiete und verringert deren RĂŒckstrahlvermögen (Albedo), was zu einer stĂ€rkeren lokalen ErwĂ€rmung fĂŒhrt. Aufgetauter Dauerfrostboden bietet wiederum BrĂ€nden mehr Nahrung.cite-ref-kruse-blumenthal-2019-07-18-52-0[52] Im Juni und Juli 2019 wurde in der Arktis und Subarktis eine ungewöhnlich hohe Zahl von WaldbrĂ€nden beobachtet, besonders in Alaska, wo 2019 eine groĂe WĂ€rme- und DĂŒrreperiode vorherrschte (siehe auch WaldbrĂ€nde in den borealen WĂ€ldern der Nordhalbkugel 2019).cite-ref-malberger-2019-07-19-51-1[51]cite-ref-kruse-blumenthal-2019-07-18-52-1[52] Bleiben hohe Temperaturen und Trockenheit ĂŒber mehrere aufeinanderfolgende Jahre bestehen, werden Torfgebiete schneller entzĂŒndbar und es kommt zu unterirdischen MoorbrĂ€nden, die kaum zu löschen sind.cite-ref-53[53] 2020 kam es infolge der Hitzewelle in Sibirien 2020 zu verstĂ€rktem Auftauen von Permafrost und dadurch zur Dieselölkatastrophe bei Norilsk.
SchÀden an GebÀuden und Infrastruktur
Zu den unmittelbaren Folgen eines RĂŒckgangs von Permafrost zĂ€hlen SchĂ€den an StraĂen, HĂ€usern und Infrastruktur. GebĂ€ude können so ganz oder teilweise einsinken und zerstört werden. Ăkologisch besonders bedrohlich sind SchĂ€den an Industrieanlagen, wo die Gefahr besteht, dass groĂe Mengen von Schadstoffen in die empfindlichen arktischen Ăkosysteme freigesetzt werden, die sich aufgrund der kurzen Vegetationsperiode nur schlecht regenerieren können. 2020 kam es in der sibirischen Stadt Norilsk zu einer schweren Ălpest, als ein Ăltank fĂŒr ein Kraftwerk infolge auftauenden Permafrosts barst und mehr als 20.000 Tonnen Ăl ausliefen. Etwa 5.000 Tonnen Ăl verseuchten das Erdreich, der GroĂteil des Ăls gelangte in GewĂ€sser, insbesondere den Fluss Ambarnaja. Der Unfall gilt als bisher gröĂtes UnglĂŒck infolge auftauenden Permafrosts. GemÀà Greenpeace Russland handelte es sich dabei um die gröĂte Ălkatastrophe der Arktis seit der Havarie der Exxon Valdez im Jahr 1989.cite-ref-54[54] Zuvor hatte Sibirien mit bis zu 6 Grad ĂŒber dem langjĂ€hrigen Durchschnitt den wĂ€rmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren erlebt. In Russland lagen die Temperaturen zwischen Januar und Mai 2020 5,3 °C ĂŒber dem Durchschnitt der Jahre 1951â1980; zudem wurde der bisherige Rekordwert um 1,9 °C ĂŒbertroffen.cite-ref-55[55]
VerstÀrkung des Klimawandels
Langfristig wird ein Auftauen in noch gröĂerem AusmaĂ befĂŒrchtet, da sich die Arktis weit ĂŒberdurchschnittlich erwĂ€rmt (â Polare VerstĂ€rkung). Einige Wissenschaftler nehmen an, dass es zu einer positiven RĂŒckkopplung kommen könnte, da der im Permafrost als Biomasse gebundene Kohlenstoff beim Abtauen und Abbau der Biomasse als Treibhausgas CO2 an die AtmosphĂ€re abgegeben wĂŒrde.cite-ref-56[56]
DarĂŒber hinaus wird in diesem Fall im Permafrost in groĂen Mengen gebundenes Methan in die AtmosphĂ€re entweichen.cite-ref-57[57] Die wirtschaftlichen Folgekosten alleine der Freisetzung von Methangas beim Abtauen des Permafrosts unter der Ostsibirischen See (Arktis) im Zuge der globalen ErwĂ€rmung wurden auf weltweit 60 Billionen US-Dollar geschĂ€tzt.cite-ref-58[58] Wegen der geringen Permafrostausdehnung in der Antarktik und wegen der Tatsache, dass âKlimaĂ€nderungen in der kontinentalen Antarktis wesentlich langsamer ablaufenâ als in der Arktis, stelle der antarktische Permafrost keine klimarelevante Gefahr von Treibhausgasemissionen dar.cite-ref-1-27-1[27]
Laut einer 2018 in Nature veröffentlichten Studie berĂŒcksichtigten bisherige SchĂ€tzungen lediglich das allmĂ€hliche Auftauen des Permafrosts in der NĂ€he der OberflĂ€che; ein rasches Auftauen von Thermokarst-Seen beschleunige die Mobilisierung des Kohlenstoffs am auftauenden Seeboden. Dies fĂŒhrt, in CO2-Ăquivalenten gemessen, zu deutlich erhöhten Emissionen.cite-ref-59[59] Klimamodelle, die nur das graduelle und nicht das schnelle Auftauen von Permafrost berĂŒcksichtigen, unterschĂ€tzten die Kohlenstoffemissionen durch das Auftauen von Permafrost erheblich.cite-ref-60[60] Neben Kohlenstoffdioxid und Methan wird durch das Abtauen zunehmend auch Lachgas freigesetzt, dessen Treibhauspotential ĂŒber 100 Jahre ca. 300-mal höher ist als das von CO2. Durch eine weitere ErwĂ€rmung kann sich die Arktis demnach von einer bisher vernachlĂ€ssigbaren Quelle zu einer kleinen, aber bedeutsamen Quelle fĂŒr globale Lachgasemissionen wandeln.cite-ref-61[61]cite-ref-62[62]cite-ref-63[63] Nach Aussagen von Wissenschaftlern wurde in Klimamodellen der Einfluss methanbildender, im Permafrost befindlicher Mikroorganismen lange Zeit stark unterschĂ€tzt.cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]
In CMIP5-Klimamodellen sind Treibhausgasemissionen, die durch das Auftauen von Permafrost entstehen, nicht berĂŒcksichtigt, was zu einer systematischen UnterschĂ€tzung der globalen ErwĂ€rmung fĂŒhrt. Forscher haben daher versucht, diese Effekte durch Korrekturfaktoren nachtrĂ€glich einzurechnen.cite-ref-67[67]
Eine Studie von Natali u. a. (2019)cite-ref-68[68] kommt zum Ergebnis, dass die jĂŒngste ErwĂ€rmung in der Arktis, die im Winter zugenommen hat, den mikrobiellen Abbau der organischen Bodensubstanz und die anschlieĂende Freisetzung von Kohlenstoffdioxid erheblich beschleunigt. Zur AbschĂ€tzung aktueller und zukĂŒnftiger Kohlenstoffverluste im Winter aus dem nördlichen Permafrostbereich synthetisierten die Verfasser regionale In-situ-Beobachtungen des CO2-Flusses aus arktischen und borealen Böden. Sie veranschlagten in der Wintersaison (OktoberâApril) einen derzeitigen Verlust der Permafrost-Region in Höhe von 1.662 TgC pro Jahr. Dieser Verlust ist gröĂer als die nach Prozessmodellen geschĂ€tzte durchschnittliche Kohlenstoffaufnahme in der Vegetationsperiode in dieser Region (â1.032 TgC pro Jahr). Die Ausweitung der Modellvorhersagen auf wĂ€rmere Bedingungen bis 2100 deutet auf eine Zunahme der CO2-Emissionen im Winter bei einem gemĂ€Ăigten Klimaschutzszenario (reprĂ€sentativer Konzentrationspfad 4.5) um 17 % und bei einem Weiter-so-wie-bisher-Emissionsszenario (reprĂ€sentativer Konzentrationspfad 8.5) um 41 % hin. Diese Ergebnisse liefern eine Basis fĂŒr die CO2-Emissionen im Winter aus nördlichen Regionen und weisen darauf hin, dass ein erhöhter CO2-Verlust im Boden aufgrund der ErwĂ€rmung im Winter die Kohlenstoffaufnahme in der Vegetationsperiode unter zukĂŒnftigen klimatischen Bedingungen ausgleichen kann.
Freisetzung von Quecksilber
Eine weitere Gefahr stellt die Freisetzung groĂer Mengen von gesundheitsschĂ€dlichem Quecksilber durch das Auftauen des Permafrosts dar. In der gefrorenen Biomasse des arktischen Permafrosts ist etwa doppelt so viel Quecksilber gebunden wie in allen anderen Böden, der AtmosphĂ€re sowie den Ozeanen zusammen. Bei einem Auftauen des Permafrosts wĂŒrden biologische Abbauprozesse einsetzen, durch die das Quecksilber möglicherweise in die Umwelt abgegeben wird, wo es u. a. den arktischen Ăkosystemen, den Wasserlebewesen der Meere und der menschlichen Gesundheit schaden könnte.cite-ref-69[69]
VerÀnderungen des Reliefs
Das Auftauen von Permafrosts hat bereits erhebliche und bedrohliche VerĂ€nderungen des Reliefs verursacht (Thermokarst). Vor allem im Norden Russlands sind groĂe ebene FlĂ€chen innerhalb kurzer Zeit abgesunken, als das gefrorene Wasser auftaute und dadurch an Volumen verlor, eingeschlossenes Gas entwich und das durchlöcherte Erdreich in der Folge unter dem eigenen Gewicht in sich zusammensank. Weite FlĂ€chen sind seitdem eine Kraterlandschaft mit schiefen und entwurzelten BĂ€umen sowie Seen mit Tauwasser. Auch der unter der MeeresoberflĂ€che liegende (âsubmarineâ) Permafrost vor der sibirischen KĂŒste taut durch den Zufluss warmen Wassers beschleunigt auf und lĂ€sst Gase entweichen.cite-ref-70[70]cite-ref-2-28-1[28]
Das oberflÀchliche Auftauen des Untergrunds bereitet viele Probleme beim Bau von GebÀuden. In Permafrostgebieten werden deshalb GebÀude auf PfÀhle gesetzt, die bis in die permanent gefrorenen Bereiche des Bodens hinabreichen und somit auf festem Grund stehen. Luft kann dann unter dem GebÀude durchziehen und die vom GebÀude abgestrahlte WÀrme abtransportieren. Der Boden wird zudem beschattet, ein weiterer Schutz vor dem Auftauen.
Das Auftauen der Permafrosts in den Alpen kann ganze BerghĂ€nge in Bewegung setzen (Massenbewegung).cite-ref-71[71] Am Bliggferner in den Alpen rutschten 2007 etwa vier Millionen Kubikmeter Gestein und Eis in Richtung Tal. cite-ref-72[72]cite-ref-73[73] In Gebirgslagen Norwegens zeigt der Permafrost eine Temperatur von 0 bis â3 °C. Deshalb sind auch dort bei anhaltender KlimaerwĂ€rmung massive Erdrutsche wahrscheinlich, da das gefrorene Wasser als Bindemittel loses Gestein, Sand und dergleichen zusammenhĂ€lt.cite-ref-74[74] Als Folge von BergstĂŒrzen und Hangrutschungen könnten in engen Fjordschluchten Megatsunamis mit Auflaufhöhen von 100 m und mehr entstehen.cite-ref-75[75]cite-ref-higman2018-76-0[76]
Freisetzen von Krankheitserregern wie Milzbrand
In Sibirien kam es 2016 nach 75 Jahren zu einem Milzbrand-Ausbruch;cite-ref-77[77] ein Kind war an der von Anthrax-Bakterien verursachten Erkrankung gestorben, 23 Menschen wurden infiziert.cite-ref-78[78] Das sporenbildende Bakterium Bacillus anthracis kann jahrzehntelang in Kadavern ĂŒberleben, die im Permafrost begraben sind. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen fĂŒhrten zum Auftauen des Bodens, sodass die Bakterien wieder zum Leben erweckt wurden.cite-ref-79[79]cite-ref-80[80]
PleistozÀn-Park
â
Hauptartikel
:
PleistozÀn-Park
Um den Permafrost zu schĂŒtzen, wurde in deutsch-russischer Kooperation die Pleistocene-Park-Stiftung ins Leben gerufen. Mit der Wiederherstellung von Flora und Fauna aus der PleistozĂ€n-Ăra wird dem Schmelzen von Permafrost entgegengewirkt.cite-ref-81[81] Der Erhalt des Permafrosts wird durch zwei Hauptfaktoren verwirklicht:
1. Im PleistozÀn-Park werden verschiedene Pflanzenfresser angesiedelt. Bei der Futtersuche im Winter zerstören die Tiere die isolierende Schneeschicht und verdichten diese gleichzeitig. KÀlte kann auf diese Weise besser in die Böden eintreten und die gespeicherte WÀrme besser austreten. Allein die Anwesenheit der Tiere reicht also aus, um den Permafrost zu erhalten.cite-ref-82[82]
2. Durch Albedo (RĂŒckstrahlung) wird mehr eingehende Sonnenstrahlung direkt reflektiert und steht dem System nicht als Energie zur VerfĂŒgung. Die Steppentundra ist heller als die aktuell vorherrschende Vegetation, daher wird ein höherer Anteil der SonnenwĂ€rme reflektiert. Der Permafrost wird im Sommer daher weniger stark erwĂ€rmt.cite-ref-83[83]
Sonstiges
Es gibt mit Sicherheit Permafrost auch auf dem Mars. Es wird vermutet, dass das einst auf dem Mars reichlich vorhandene Wasser sich heute zumindest zum Teil als Eis im Boden befindet. Darauf hingewiesen hat wiederholt auch André Cailleux.
Auch eine ErdwĂ€rme nutzende WĂ€rmepumpenheizung kann zu Permafrost fĂŒhren, wenn die abgezogene WĂ€rmeenergie nicht mehr durch die Umwelt ausreichend nachgeliefert werden kann. In diesem Fall bildet sich um die WĂ€rmetauscherschlangen im Erdreich ein Block aus gefrorenem Boden, der die Heizleistung deutlich reduziert.
Siehe auch
âą Kryoturbation â Durchmischung des oberflĂ€chennahen Untergrundes (active layer) durch Gefrieren und Wiederauftauen
âą Nunavut â fast ĂŒberall von Dauerfrostböden geprĂ€gtes Territorium im Norden Kanadas
âą Thermokarst â Landformungsprozess durch oberflĂ€chlich auftauende Permafrostböden
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Weblinks
Commons
: Permafrost
â Sammlung von Bildern und Videos
Wikinews: Sibirien: Auftauen des Permafrosts alarmiert Klimaforscher
â Nachricht
Wiktionary: Dauerfrostboden
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Permafrostboden
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą permafrost.org Website der International Permafrost Association (englisch)
âą Themenseite Permafrost des Alfred-Wegener-Instituts
âą Global Terrestrial Network for Permafrost (GNT-P), Programm zur Erfassung von Permafrostparametern
âą Potente Methan-Mikrobe im Permafrost entdeckt scinexx.de, 7. November 2011
âą Permafrost: Die Zeitbombe im hohen Norden spektrum.de, 5. September 2019
Einzelnachweise
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